Eine theoretische Position des Fersenbeins, in der es weder nach innen noch außen kippt – genutzt als Basis in der klassischen Einlagenherstellung.
Orthopädische Einlagen gehören zu den häufigsten Hilfsmitteln zur Behandlung von Fußfehlstellungen, Knieproblemen oder Rückenbeschwerden. Doch wie genau wirken sie eigentlich? Und gibt es
Unterschiede zwischen den verschiedenen Konzepten?
Zwei grundlegende Ansätze stehen sich gegenüber: Das klassische Konzept der subtalen Neutralstellung und das moderne, aktive Prinzip der propriozeptiven Einlagen. Während erstere oft auf starre
Korrektur setzen, regen letztere gezielt die Muskelaktivität mit spürbaren Vorteilen für den gesamten Körper an.
Die subtalare Neutralstellung beschreibt eine Position des Fersenbeins (Calcaneus), bei der weder eine Pronation (Einwärtskippung) noch eine Supination (Auswärtskippung) vorliegt. Es handelt sich
also um eine theoretisch neutrale Fersenstellung, in der der Fuß vermeintlich „richtig“ ausgerichtet ist.
Harte, formstabile Einlagen, oft aus Kunststoff, werden häufig genau in dieser Position gefertigt. Ziel ist es, den Fuß durch gezielten Druck von außen in diese Neutralposition zu bringen und zu
halten. Dabei steht die Statik im Fokus, nicht die Bewegung.
Im Gegensatz dazu setzen propriozeptive Einlagen auf ein anderes Wirkprinzip. Statt passiver Führung wirken sie über gezielte Reize auf das neuromuskuläre System.
Diese Einlagen bestehen meist aus weichen, flexiblen Materialien. Sie stimulieren gezielt Druckpunkte an der Fußsohle, aktivieren die Tiefensensibilität (Propriozeption) und fördern so die
Muskelaktivität. Der Fuß bleibt aktiv und lernt wieder, sich selbst zu stabilisieren.
Die Vorteile:
Einlagen nach dem STN-Prinzip richten sich nach statischen Messungen, meist im Sitzen. Doch Fehlstellungen zeigen sich in Bewegung. Das Konzept ist daher symptomorientiert: Es
korrigiert, was man „sieht“, aber nicht, was wirklich passiert.
Kriterium
Material
Ziel
Anpassung an Belastung
Wirkprinzip
Muskelaktivität
Langzeitwirkung
Diagnostikbasis
Subtalar Neutral
hart, starr
passives Stützen
Nein
Statik (Fersenposition)
wird reduziert
Abhängigkeit möglich
statische Analyse
Propriozeptive Einlagen
weich, flexibel
aktives Trainieren
Ja
Dynamik (Stimulation)
wird gefördert
nachhaltige Selbstkorrektur
biomechanische Ganganalyse
Propriozeptive Einlagen dagegen stimulieren gezielt die Fußmuskulatur. Der Körper reagiert mit Aktivierung, es entsteht ein Trainingseffekt bei jedem Schritt. Die Muskulatur wird
aufgebaut, die Haltung verbessert sich langfristig, ohne äußeren Zwang.
Ein weiterer Vorteil: Die Wirkung wird 6–10 Wochen nach der Versorgung barfuß per Druckmessplatte kontrolliert. So lässt sich objektiv messen, ob sich Bewegungsmuster,
Druckverteilung und Fußfunktion verbessert haben.
Propriozeptive Systeme basieren auf der Analyse des individuellen Gangbilds, auf dynamischen Bewegungsdaten. Sie fördern Eigenwahrnehmung, Muskelaktivierung und natürliche
Bewegungsmuster. Sie behandeln also die Ursache, nicht nur das Symptom.
Wer langfristig gesunde Füße, Knie und Gelenke möchte, braucht mehr als passive Korrektur. Propriozeptive Einlagen bieten eine neue Dimension in der Einlagenversorgung – individuell, dynamisch und ganzheitlich. Sie trainieren statt stützen. Und genau das macht den Unterschied.
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